Schwer, wie ein Panzer und dennoch auf der Überholspur. Fast…

||Schwer, wie ein Panzer und dennoch auf der Überholspur. Fast…

Schwer, wie ein Panzer und dennoch auf der Überholspur. Fast…

Der Start in die fünfte Auflage des Gruppe-C-Cups am Ra-Do-Raceway am gestrigen Montag hatte etwas von einem kleinen Neuanfang. Um diesen nachvollziehen zu können, möchte ich noch einmal kurz den Blick in die Vergangenheit richten.

Vor gut 6 Jahren überlegten sich Maxx, Stappi, Bernie und Stiwi, welche Fahrzeugklasse man in 1:24 neu, abwechslungsreich, gut und sicher würde bewegen können. Als Ersatz gewissenmaßen für ein nicht sonderlich erfolgreiches DTM-Projekt, da dort die Starterzahlen doch sehr überschaubar blieben. Zu groß und abschreckend waren für viele die damit verbundenen technischen Herausforderungen des DTSW-Regulariums und zusätzlich erschwerend waren die ungleichen Fahrzeugpotentiale der verschiedenen Modelle auf der Strecke.

Mit der Gruppe-C sollte damals jedoch alles besser werden. Mehr Ausgewogenheit im Fahrzeugfeld, weniger Detaillierungsaufwand im Fahrzeuginneren und somit mehr Fülle auf der Bahn oder im Slotkoffer zumindest. Damit dieser Erfolg nachhaltig einsetzte, wurde das Reglement gestreut und siehe da, von Brilon, über Korbach bis zur Kasseler Lilienthalstraße konnte man fortan mit den Prototypenhelden der 80er auf Zeitenjagd gehen.

Unter dem Strich hat bis heute kein 124er-Reglement in den zurückliegenden Jahren in Nordhessen so gut funktioniert und in keiner Fahrzeugklasse fand je ein so großer Fahreraustausch über IG-Grenzen hinweg statt, auch wenn es nicht überall absolut identisch umgesetzt wurde. So gab es Interpretationsspielräume bei der Originalität einerseits und dem BOP-Gedanken andererseits. In seiner ursprünglichen Form wurde er letztlich überhaupt nur am Raceway gelebt.

Jetzt, nach vier komplett hinter uns liegenden Meisterschaften, wurde auch dieser Aspekt erstmalig angepasst: Die Beschwerung wanderte aus der oberen Karosserie auf das Chassis und sie galt bereits für den ersten Saisonlauf, auf der Basis des Finaleinlaufs des Vorjahres. Soviel zur Theorie vorab.

Mit 12 FahrerInnen startete der Aufgalopp in die neue Saison. Drei komplett neu aufgebaute Modelle von Marc, Reinz und Alex gasten dabei an, allesamt gekürzte 962, die sich nach wie vor ausgesprochen konkurrenzfähig geben. Bernie hatte seinen Über-Peugeot des Vorjahres eingepackt und einem älteren, aber flotten Michelin-C9 den Vorzug gegeben, während Maxxens neuer R89C noch nicht an den Start gehen konnte, stattdessen musste der Silberpfeil des Vorjahres noch einmal zeigen, was er konnte.

Zum Qualifying musste Bernie satte 20 Gramm zuladen, während Alex 15 Gramm an Bord hatte. Da die Gewichte nicht mehr so stark an den Karossen zerrten, zeigte sich sehr bald, dass der Nachteil dieser Beschwerung nicht zu vergleichen ist mit den BOP-Einbremsungen der vorhergehenden „Spielzeiten“. Spritzigkeit kostete das Gewicht zwar, doch zugleich schien die Slotsicherheit nicht zu leiden, ganz im Gegenteil. Ob dieser Schritt damit der Weisheit allerletzter Schluss ist, wird sich auf Dauer zeigen müssen. Die gravierenden Nachteile des Siegerballastes von früher sind in jedem Fall Geschichte.

Vor dem Training wurde gemutmaßt, wer sich „wie“ würde in Szene setzen können. Kommissar Zufall bestimmte am Ende Spur „4“ und gerade dort wurde im Vorbereitungsverlauf am wenigsten häufig gefahren. Entsprechend überrascht war der eine oder andere.  Am meisten litt darunter, ob durch fehlende Vorbereitung auf „4“, Uffregung oder was auch immer, Marc. Dass er bei 5,5 sec. hängen blieb, war schon sehr unglücklich, denn viel schneller ging der schicke Blaupunkt-962 im Warmup auf den mittleren Spuren zu Werke. Üble Vorahnungen stiegen so schon zu Beginn in Marc auf, ausgelöst durch die Aussicht, im Lauf der Unsichersten seine Rennrunden drehen zu müssen. Dafür verantwortlich war am Ende ausgerechnet Reinz, der sich als letzter startender Qualifikant noch deutlich vor Marc platzieren konnte und ihn damit in den Lauf der Langsamsten drückte.

Ganz vorn stand davon völlig losgelöst Maxx, während ihm Werner, Alex und Stocki folgten. Alex war damit trotz 15 Gramm Platzierungsgewichts im Toplauf vertreten, während Bernie mit 20 Gramm am Bord dieses Ziel verfehlte bzw. verfehlen musste. So zumindest die Theorie.

Im ersten Gruppenlauf drehte Marc völlig einsam seine Runden. Er machte die wenigsten Fehler, überholte sehr mutig auch noch kurz vor der Engstelle und hatte das notwendige Glück, wenn ausgespurte Hindernisse ihm im Weg standen. Am häufigsten teilte Olli dieses Schicksal, ein weiterer Dahlheimer, der erstmalig im Rahmen eines Gruppe-C-Laufs am Raceway mitspielte. Der von Maxx zur Verfügung gestellte BRM-Fertigdeckel-962 hatte zwar eine Karosse, die gottlob „bulletproof“ war, allerdings nicht ansatzweise die Slotsicherheit versprühte, die vielleicht notwendig gewesen wäre. Alle Einsetzer bemühten sich nach Kräften, die gelbe Gefahr schnell wieder einzuspuren, was auch überwiegend gelang.

Felix Jaguar war auch nicht so sicher wie gewünscht, was in erster Linie an einem gebrochenen Frontsplitter lag und gerade auf Spur 2 und 4 besonders viele Probleme bereitete und Fabienne hatte wie gewohnt Schikanenirritationen auf 1 und 2 und die üblichen Bremspunktfindungsschwierigkeiten auf 2 nach Start und Ziel. Alles nicht neu, alles nicht ungewohnt. Der gute bis sehr gute Rhythmus auf 3 und 4 überraschte und begeisterte da schon eher. Niedrige 5,3er Zeiten sind schließlich kein Zufall.

Dazwischen operierte Marc, teilweise wie ein Messer durch weiche Butter und das Fazit könnte formidabel ausfallen, denn sowohl Marc als auch Fabienne erhöhten deutlich ihre persönlichen Gruppe-C-Bestweiten, doch im letzten Stint krachte es. Am Ende der langen Brückenüberfahrt rauschte Marc in den kurz zuvor abgeflogenen FromA-962. Wie sich herausstellen sollte, knackte dabei, trotz der Verstärkungen im Frontbereich, die Haube hinter dem rechten Scheinwerfer.  Mist. Mit Hilfe einer Verstärkung/Schiene von innen lässt sich dieses Ungemach zwar heilen, der erste Knacks tut jedoch immer am meisten und beim Erstrollout besonders weh.

Über den Mittellauf kann ich selbst nur relativ wenig sagen, da ich stattdessen mit meinen Ohren an den Lippen Stockis hing. Sein Proseminar „Abgründe des Heimwerkerlebens im Umfeld exzessiver Nikotinauswüchse“, gekrönt durch das Kapitel „Symbiotische Teppichverbindungen oder warum Mikes Auslegeware wider Erwarten doch nicht laufen konnte“, setzte Maßstäbe. Fragt Werner. Er sieht es garantiert wie ich.

Deshalb verpasste ich wahre Wunder. Am Rande bemerkte ich noch Bernies Dominanz zu Rennbeginn auf Spur 1. Das überraschte, schließlich fuhren Fiury und Stiwi mit ihren 962ern auf 2 und 3 und beide sind keine Nasenbohrer. Gerade der Start wurde dabei noch durch Reinz Adrenalinübersättigung stark beeinflusst, da er es leider schaffte, direkt in Folge, während der ersten 60 Rennsekunden zweimal eine 15-sec-Runde zu drehen. Wie viel Weite die Schikanenabflüge kosteten, kann sich jeder selbst ausrechnen. Die Menge ist erheblich, so viel ist wohl klar.

Am Ende sollte von diesem schlechten Start ein Mitstreiter in besonderer Weise profitieren: Teamkollege Marc mit der #7, beide fuhren schließlich nagelneue Blaupunkt-Joest-962 aus der WM-Saison 1990, fing Kollege Reinz mit der #8 noch recht komfortabel ab und verdrängte ihn auf Gesamtplatz 9. Trotz der schlechteren Ausgangsposition war ihm damit ein kleines Kunststück gelungen. Darüber musste sich Reinz selbst jedoch gar nicht grämen, auch wenn der Rennstart doof war, mit über 250 Runden fuhr auch er im Rahmen des Gruppe-C-Cups soweit, wie noch nie. Was will man mehr, die nächste Hürde wurde genommen!

Apropos mehr: davon wollte Bernie, sehr viel und reichlich. Sein C9 schnurrte, er machte dem Vernehmen nach annähernd einen 0-Fehlerjob und trotz der einen oder anderen Chaosunterbrechung und 20 Gramm Übergewichts schaffte er um ein Haar 270 Runden, Bestzeit 5,09 sec. versteht sich. Wie bitte? Geht´s noch? Das soll eine Bestrafung sein? Ich fasse es nicht! Schiebung! Sensationell! Hammer! Geil! Unfassbar! Sucht euch einen passenden Kommentar aus. Ich denke, Bernie hat während meiner Seminarstunde bei Stocki die Grenzen der Physik neu definiert. Ein historischer Moment. Und ich bin nicht dabei gewesen. Scheiße.

Unerzählt ist noch die Geschichte der letzten Startgruppe. Stocki war hier nicht zu beneiden. Er mühte sich mit seiner zusammengefrickelten Trümmerlotte „Repsol-962“ nach Kräften. Ohne vernünftigen Wackel, schleifend im Frontbereich, unangenehmes und automatisiertes Abflugrisiko in engen Ecken inklusive. Werner schob zunächst seinen FromA-962 mächtig an, während Alex und Maxx erst am Ende des ersten oder zweiten Stints an ihm vorbeizogen. Die Ursache dieses Rückfalls ist schnell erzählt, in engen Ecken hob der gelbe Porsche gelegentlich doch schon einmal das Bein und spurte aus. Unter dem Strich reichte diese Leistung zwar zu einem komfortablen vierten Platz in der Gesamtwertung und damit auch künftig ausbleibender Erschwerung, um nach ganz vorn zu kommen, bedarf es künftig aber eines entscheidenden Matchplans: Fehlerfreiheit. Nicht mehr, nicht weniger!

Diesem war Alex relativ lang verpflichtet, doch in der letzten Rennminute passierte ist. Ein Abräumer und ein Eigenflug machten das Projekt „Wie fange ich Bernie noch ein?“ zunichte. Schade eigentlich. Grinz. Überraschend war es zusätzlich. Obwohl der mit 15 Gramm beschwerte neue rosafarbene 962 mit der #8 nicht ansatzweise die Topzeiten Bernies gehen konnte, blieb der supersicher liegende Kurzheckporsche stets in Schlagdistanz – den wenigen Chaosunterbrechungen des Rennens sei Dank.

Davon unbeeindruckt zeigte Maxx jedoch, was unbeschwert gehen sollte. Auch wenn die Topzeit Bernies nicht fiel, was im Grunde ja schon skandalös ist, setzte er sich allmählich an die Spitze. Dabei fiel auf, dass Maxx, „für seine Verhältnisse“, ungewöhnlich viele Unfälle machte oder in sie verwickelt wurde. Echtes Rennglück hatte er insoweit auch nicht.

Man wird sehen, wie der C9 im nächsten Rennen läuft. Ich bin auf jeden Fall gespannt. Und Erwartungen habe ich auch:

Was wäre, wenn Stocki oder auch Felix einen nicht schleifenden, unzerstörten topwackelnden Deckel pilotieren könnten?

Was wäre, wenn Marc im Training mal in die erste Startgruppe fahren würde?

Was ist, wenn Gewicht – zumindest dort unten – gar keine Strafe ist?

Wie hätte Mike reagiert, wenn der lebende Teppichboden doch von allein Fahrt aufgenommen hätte?

Fragen über Fragen. Und keine Antworten. Noch nicht.

Alex

Von | 2017-11-21T19:49:15+00:00 21. November 2017|Kategorien: Aktuelles|5 Kommentare

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